SMS & Whatsapp – Fluch oder Segen?

Aus aktuellem persönlichen Anlass, weil ich mich heute morgen wieder mal darüber echt ärgern musste, gibt’s gleich noch einen Beitrag. Eure Meinung dazu interessiert mich!

Soviel vorab: Ich habe ein Smartphone und ich nutze es gern. Es ist für mich eine Form der flexiblen Informationsbündelung auf kleinstem Raum. All-in-one. Spricht für mich nichts dagegen.

SMS und Whatsapp finde ich auch prima.

Um Termine o.ä. abzustimmen oder jemanden um Rückruf zu bitten und gerne auch um einem lieben Menschen einfach kurz einen schönen Tag zu wünschen, um ihm damit zu zeigen, dass ich gerade an sie/ihn denke. (Ich meine aber nicht diese fürchterlichen Serienversionen, die dann gleich standardisiert an 10 oder mehr Freunde gehen! Entsetzlich! Niemand will einer unter vielen sein ;-) ).

Aber, und jetzt kommt das große ABER!

Und hier kehrt sich der Vorteil in einen Nachteil um: Wenn diese Form der Kommunikation das Telefonat oder eben oft genug auch das persönliche Gespräch immer mehr ersetzt.

Konsequenz: Diese Art der Simserei, so wie sie immer häufiger entfremdet zum Einsatz kommt, denn SMS heißt: SHORT Message Service (Kurznachrichtendienst) und war damit ursprünglich ganz und gar nicht als Ersatz gedacht für einen Dialog. Weil es das auch nicht leisten kann!

Simsen und Whatsapp ist für mich eine Form von zeitversetzten Monologen, in deren “Vakuum” sich Missverständnisse und Interpretationen tummeln. Das wird um so fataler, je wichtiger, komplexer und zwischenmenschlicher die Themen werden.

Man hat keine Möglichkeit spontan nachzufragen, wie es denn gemeint sei. Man kann sich jetzt zwar die Finger wundtippen (der eine besser, der andere schlechter ;-) ), aber was dabei IMMER fehlt, ist die Stimme, die sehr viel aussagt und es fehlt das faktische Gegenüber, mit dem man/frau in den echten Dialog gehen kann.

Auch das Argument, dass das doch so praktisch sei, weil diese Form der Informationsvermittlung doch viele schneller ginge (Zeit sparen!!), kann ich nicht teilen.

Ganz im Gegenteil: Was hilft es denn, wenn man sich Zeit für ein Telefonat oder ein Treffen gespart hat und dann aber auf Grund von Missverständnissen Ergebnisse produziert, die die Beteiligten so gar nicht wollten. Es bleibt einfach zu viel ungesagt und ungeklärt. Um eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, braucht es ja dann im Endeffekt doch das Gespräch. Wenn’s dann nicht schon zu spät ist… ;-)

Ich finde diese Entwicklung auch eine Form der zunehmenden Entmenschlichung:

Unser Alltag ist virtuell. Wir Menschen sind es nicht.

Für mich gilt daher privat wie auch beruflich: Den Luxus eines persönlichen Gesprächs, zumindest telefonisch, möchte ich mir einfach häufiger leisten können. Wenn’s einem gerade nicht passt, dann kann man ja das Gespräch verschieben oder klar sagen, dass man dieses Gespräch nicht wünscht. Wo ist denn das Problem? Und wenn mich jemand nicht anruft, sondern simst/whatst, obwohl ich um ein Telefonat gebeten habe, dann gibt’s keine Antwort mehr. Da kann ich auch nicht helfen ;-) .

Bleibt menschlich!

Iris

3 Gedanken zu „SMS & Whatsapp – Fluch oder Segen?

  1. Stefan F.

    Ein wirklich schöner Text. Leider für eine SMS zu lang. Ein Vorteil der SMS ist es ja, auf recht unpersönliche, knappe Art in Kontakt zu bleiben (“Hallo, Lucy, auf diesem Wege schon mal alles Gute zum Geburtstag, versuche später noch Dich anzurufen, Lutz”), ohne telefonieren zu müssen. Für mich ist die größten Vorteil allerdings der knappe Informationsaustausch (“Bin noch in der Werkstatt, die suchen die Reifen noch, Drecksladen!” / “Peter, sitzt Du vor dem Fernseher und schaust Fussball? War das gerade Abseits? Konnte man hier im Stadion schwer erkennen…”) und (trara!) die einfachste Möglichkeit, sich zum telefonieren zu verabreden: “Wann kann ich Dich später noch anrufen, ich müsste Dich mal was fragen?” “Jetzt ist es schlecht, aber so um 19.30 Uhr wäre super. Dann ist Manfred noch nicht da und die Kids im Bett (hoffentlich!!!!).” “Klasse, ich rufe Dich dann an, freue mich schon Bussi Marlene”

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    1. dilettantidilettanti Artikelautor

      Aber genau das ist es ja, was ich meine: Nachrichten bzw. Informationsaustausch. Alles was darüber hinaus geht ist in meinen Augen nicht mehr SMS-kompatibel.

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