Ein Gedanke zu „Ich frage mich wirklich: Was braucht es denn noch, um umzudenken?

  1. AvatarKlaus

    dazu braucht es insbesondere den Willen, etwas (daraus) zu lernen … und genau das ist das Problem – oder zumindest eines der Probleme.

    Wo fange ich da jetzt an?
    Zunächst ist da unser Bewusstsein. Es ist bei Weitem nicht das, wofür es der westliche, „aufgeklärte“ Mensch hält. Eckart von Hirschhausen hat das mal sehr schön veranschaulicht: Früher dachte man, das Bewusstsein sei die „Regierung“ in uns – also die Institution, die Entscheidungen trifft. Heute weiß man, dass das Bewusstsein eher so eine Art Regierungssprecher ist. Es is an keiner fundamentalen Entscheidung maßgeblich beteiligt, muss aber alle Entscheidungen nach außen vertreten.

    Wenn man sich dieses Bild mal verinnerlicht, versteht man besser, warum der Mensch an vielen Stellen so seltsam agiert. Es sind eben keine rationalen Überlegungen, die uns steuern. Da ist etwas, das wir nicht erfassen können und deshalb auch nicht verstehen können. Nennen wir es Unterbewusstsein, Instinkt, Triebe, … wie auch immer. Das ist schwer zu akzeptieren – halten wir uns doch für den Homo sapiens, den „weisen“ bzw. „wissenden“ Menschen.
    Nein, das ist kein Plädoyer dafür, sich seinen Trieben hinzugeben, so nach dem Motto: wir haben ja eh keinen Einfluss auf unser Handeln, weil uns gar nicht bewusst ist/wird, was wir da tun.
    Im Gegenteil, diese Erkenntnis sollte uns anhalten, viel mehr zu reflektieren – in der Hoffnung, wenigstens Teile zu verstehen. Leider ist das aber halt gar nicht „hip“ – sondern einigermaßen unangenehm/unbequem.
    Deshalb denken wir uns alle möglichen Ausreden und Rechtfertigungen aus, warum das, was wir tun, „doch nicht so schlimm ist“, „alternativlos ist“, oder eben irgendwelche Triebe befriedigt – ob das nun Konsum, Sicherheit, Macht, Abenteuer- und Reiselust, Sex, oder was auch immer ist.
    Ich will all diese Dinge (mit Ausnahme von Macht) nicht verteufeln – sie sind ein Teil von uns und deshalb vermutlich essentiell. Die Herausforderung muss eher sein, das zu erkennen und verantwortungsvoll damit umzugehen. Herausforderungen hat der westliche Mensch aber dahingehend umgedeutet, dass er darunter eher aufregende Urlaubsreisen versteht, oder andere körperliche Dinge (Marathonlauf, über Autos springen, River rafting, …). Mentale Herausforderungen sind gesellschaftlich eher zweite Wahl. Nicht überall, aber vorwiegend. Warum gibt es z.B. Olympische Spiele, Fußball-Weltmeisterschaften, aber keine Denk-Weltmeisterschaften?
    Das klingt jetzt sicher sehr düster – soll es aber gar nicht sein. Es ist m.E. die Chance, zu verstehen, warum wir so sind, wie wir sind.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.