{"id":3173,"date":"2014-08-11T05:58:01","date_gmt":"2014-08-11T04:58:01","guid":{"rendered":"http:\/\/dilettanti.eu\/?p=3173"},"modified":"2015-01-12T17:54:49","modified_gmt":"2015-01-12T16:54:49","slug":"besitz-als-identitaetsstifter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dilettanti.eu\/?p=3173","title":{"rendered":"Besitz als Identit\u00e4tsstifter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erich_Fromm\">Erich Fromm<\/a>&#8217;s Buchtitel\u00a0 \u201e<em><a href=\"http:\/\/www.dtv.de\/buecher\/haben_oder_sein_34234.html#tabs\">Haben oder Sein<\/a><\/em>\u201c (\u2192\u00a0gleichnamigen <a title=\"Haben oder Sein\" href=\"http:\/\/dilettanti.eu\/?p=3176\">Beitrag<\/a>) mag auf den ersten Eindruck provozierend und radikal klingen. Gilt doch in unserer modernen Gesellschaft: <strong>Ohne Haben kein Sein<\/strong>. Oder?!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\">&#8222;Haben&#8220;, das ist eben nicht nur das, was wir zum Leben brauchen, sondern auch das, <\/span><strong style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\">was wir gerne \u201esein\u201c m\u00f6chten. Anders formuliert: nach au\u00dfen darstellen m\u00f6chten<\/strong><span style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\">. In dem Sinne, dass die Dinge, die wir besitzen, gewisserma\u00dfen auch Status anzeigen \u2013\u00a0wie wichtig wir sind \u2013\u00a0und dass wir damit unsere Zugeh\u00f6rigkeit zu einem bestimmten Millieu, einer Klasse, einer \u201eKaste\u201c anzeigen. (Und das ist nat\u00fcrlich nicht das &#8222;Sein&#8220;, von dem Fromm spricht. Er meint damit das Sich-seiner-Selbst-bewussten-Seins).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eOh Lord, would you buy me a Mercedes Benz, my friends all drive Porsche&#8230;\u201c<\/em> sang schon Janis Joplin in den 60er Jahren ;-).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Haben ist mit dem Seins-Begriff, der in unserer modernen Gesellschaft vorherrscht, so eng verkn\u00fcpft, dass man sich, sein &#8222;Sein&#8220; \u2013 sein eigentliches Wesen \u2013\u00a0mit den Dingen, also seiner \u201eHabe\u201c, im eigentlichen Sinn oftmals sogar \u00a0&#8222;verwechselt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zeigt die Aussage einer Frau, die vor ihrem vom Hochwasser zerst\u00f6rten Haus steht: <strong><em>\u201eDas Wasser hat alles zerst\u00f6rt, was ich hatte. Aber es hat auch alles zerst\u00f6rt was ich war.\u201c<\/em><\/strong> Mich hat dieser Satz tief betroffen gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Moment aber &#8211; in dem einem diese &#8222;Verflechtung&#8220; von Sein und Haben bewusst wird &#8211; bedeutet, den ersten Schritt zu mehr pers\u00f6nlicher Autonomie gemacht zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dinge haben nat\u00fcrlich oft die Funktion eine Zugeh\u00f6rigkeit zu symbolisieren und das ist gut so. Problematisch wird es erst dann, wenn daraus ein &#8211; h\u00e4ufig unbewusster &#8211; gesellschaftlicher Zwang wird, so dass man gar nicht mehr dazu kommt, all die sch\u00f6nen Dinge zu nutzen und \u2013 vor allem \u2013\u00a0sie zu genie\u00dfen ;-), weil man damit besch\u00e4ftigt ist, den \u201eVorgaben\u201c zu entsprechen, um ja auch weiterhin &#8222;dazu&#8220; zu geh\u00f6ren. Und was mir dabei noch wichtigster erscheint: sein Selbst \u2013\u00a0seinen Selbst-Wert \u2013\u00a0davon abh\u00e4ngig macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu f\u00e4llt mir gerade der Satz ein, den ich mal irgendwo gelesen habe: <i>\u201eViele von uns gehen durchs Leben und f\u00fchlen sich dabei wie Reisende in fremden Kleidern.\u201c<\/i>\u00a0Als ich ihn damals las, war das f\u00fcr mich ein echter Flash. Ich f\u00fchlte mich ertappt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Haben kein \u201eSein&#8220;. Der moderne Mensch ben\u00f6tigt offensichtlich Dinge zur Erg\u00e4nzung seiner Existenz. <strong>Das hei\u00dft aber nicht, dass wir so viele Dinge brauchen, wie wir meinen zu brauchen \ud83d\ude09<\/strong>. Die uns zu Getriebenen werden Was es meines Erachtens zuk\u00fcnftig mehr braucht, ist individuelle Souver\u00e4nit\u00e4t und eine neue bewusstere Qualit\u00e4t des Habens. Kein fremdbestimmtes Konsumieren, um ja den Anforderungen der Peergroup zu entsprechen oder einfach nur den Vorstellungen der Nachbarn ;-).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sagt <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tim_Jackson_(Wirtschaftswissenschaftler)\">Tim Jackson<\/a> (Autor von \u201e<em>Wohlstand ohne Wachstum<\/em>\u201c,\u00a0<a href=\"http:\/\/dilettanti.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Tim-Jackson.pdf\">Leseprobe<\/a>) so sch\u00f6n in seinen Vortr\u00e4gen \u201e<em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=NZsp_EdO2Xk\">An economic reality check<\/a><\/em>\u201c und &#8222;<em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dZ3Rnfg8oUE\">Prosperity without Growth<\/a><\/em>&#8220; (youtube):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u201eAnd even, if we don\u2019t want them <\/em><\/strong><em>(the products)<\/em><strong><em>, we need to buy them. <\/em><\/strong><em>(&#8230;)<\/em><strong><em> Just to stay in the game. <\/em><\/strong><em>(&#8230;)<\/em><strong><em> That\u2019s a story about us: People being persuaded to spend money on things we don\u2019t need to create impressions which won\u2019t last on people we don\u2019t care about.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleibt menschlich ;-)!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Iris<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erich Fromm&#8217;s Buchtitel\u00a0 \u201eHaben oder Sein\u201c (\u2192\u00a0gleichnamigen Beitrag) mag auf den ersten Eindruck provozierend und radikal klingen. 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