{"id":3062,"date":"2014-07-19T12:29:03","date_gmt":"2014-07-19T11:29:03","guid":{"rendered":"http:\/\/dilettanti.eu\/?p=3062"},"modified":"2017-02-11T15:42:52","modified_gmt":"2017-02-11T14:42:52","slug":"knock-out-kriterium-unwirtschaftlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dilettanti.eu\/?p=3062","title":{"rendered":"Knock-out-Kriterium &#8222;Unwirtschaftlichkeit&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><i><strong>Es gibt im gegenw\u00e4rtigen Wortschatz der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftswissenschaft\">Wirtschaftswissenschaft<\/a> f\u00fcr den Ausdruck der Geringsch\u00e4tzung nur wenige Worte, die so endg\u00fcltig verdammen wie das Wort \u201eunwirtschaftlich\u201c<\/strong>.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erkannte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Friedrich_Schumacher\">Ernst F. Schumacher<\/a> \u2013 ein gro\u00dfer volkswirtschaftlicher Umdenker &#8211; bereits 1973 in seinem Buch <a href=\"http:\/\/www.langelieder.de\/lit-schumacher.html\"><em>\u201eSmall is beautiful\u201c<\/em><\/a> und er f\u00e4hrt darin fort:\u00a0<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Ist eine T\u00e4tigkeit einmal als \u201eunwirtschaftlich\u201c gebrandmarkt, wird ihr Existenzrecht nicht nur in Frage gestellt, sondern energisch bestritten<b>. Alles, wovon man annimmt, es stelle ein Hindernis wirtschaftlichen Wachstums dar, ist zu verachten.<\/b> <b>Menschen, die daran festhalten, werden entweder als Saboteure oder Narren gehalten. <\/b>Man nenne es unmoralisch oder h\u00e4sslich, eine Gefahr f\u00fcr den Weltfrieden oder das Wohlergehen sp\u00e4terer Generationen, man sage, es zerst\u00f6re die Seele oder erniedrige den Menschen \u2013 solange man nicht gezeigt hat, dass es \u201eunwirtschaftlich\u201c ist, hat man sein Recht auf Leben, Wachstum und Gedeihen nicht wirklich in Frage gestellt.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Gedanken bekommen \u2013 wie ich finde \u2013 gerade jetzt wieder einmal eine unglaubliche Brisanz vor dem Hintergrund der <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/ZahlenFakten\/GesamtwirtschaftUmwelt\/VGR\/Inlandsprodukt\/AktuellRevision.html\">Generalrevision 2014 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung<\/a> \u00a0(\u2192<em><a title=\"Drogenhandel bald im BIP\" href=\"http:\/\/dilettanti.eu\/?p=2984\">Drogenhandel bald im BIP<\/a><\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bedeutet es also im System der Wirtschaftswissenschaft (WW), wenn etwas als <em>unwirtschaftlich<\/em> bezeichnet wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schumacher: <b><i>Etwas ist dann unwirtschaftlich, wenn es keinen angemessenen Gewinn erbringt, der sich in Geld beziffern l\u00e4sst. Das System der WW bringt keinen anderen Sinn hervor und kann auch keinen anderen hervorbringen.<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8230;) <i>Das Urteil der WW ist, mit anderen Worten<b>, ein \u00fcberaus bruchst\u00fcckhaftes Urteil<\/b>. Aus der gro\u00dfen Anzahl von Gesichtspunkten, die im wirklichen Leben gemeinsam gesehen und beurteilt werden m\u00fcssen, bevor man eine Entscheidung f\u00e4llen kann, stellt die WW nur einen zur Verf\u00fcgung \u2013 ob etwas jenen, die sich damit besch\u00e4ftigen, einen Geldgewinn bringt oder nicht.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8230;)<i> Sogar auf dem eng umgrenzten Gebiet der Rentabilit\u00e4tsberechnung sind diese <b>Urteile zwangsl\u00e4ufig und methodisch eingeschr\u00e4nk<\/b><strong>t.<\/strong><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\">Zum einen legen sie auf die <b>Kurzfristigkeit ein vielfach gr\u00f6\u00dferes Gewicht<\/b> als auf die Langfristigkeit, weil wir, langfristig gesehen, wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Maynard_Keynes\">Keynes<\/a> mit heiterer Brutalit\u00e4t bemerkte, alle tot sein werden. Und zum zweiten basieren sie auf einer <b>Definition des Kostenbegriffs, bei dem alle \u201ekostenfreien G\u00fcter\u201c ausgeschlossen sind. <\/b>Damit ist die<b> <\/b>gesamte gottgegebene Umwelt gemeint. <strong>Das aber bedeutet, dass ein Tun auch dann wirtschaftlich sein kann, wenn es der Umwelt schadet<\/strong> <\/i><span style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\">(Anmerkung: Eine \u00d6lpest erh\u00f6ht bspw. dann das BIP eines Landes, wenn Firmen mit der Beseitigung besch\u00e4ftigt sind und damit Gewinne erzielen!)<\/span><i style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\"> und dass ein damit im Wettbewerb stehendes Handeln unwirtschaftlich ist, wenn es die Umwelt mit einem gewissen Kostenaufwand sch\u00fctzt und bewahrt.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><\/i><b><i>Dar\u00fcber hinaus besch\u00e4ftigt sich die WW mit Waren entsprechend ihrem Marktwert und nicht entsprechend dem, was sie wirklich bedeuten.<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8230;) <i>Das aber bedeutet, es geh\u00f6rt zum System der Wirtschaftswissenschaft, <b>der Abh\u00e4ngigkeit des Menschen von der Natur keine Beachtung zu schenken. <\/b><\/i>(Erg\u00e4nzung: und erst recht nicht moralischen, ethischen oder\u00a0sonstigen\u00a0<em>menschlichen <\/em>Werten!)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8230;)<i> In dem Umfang, in dem wirtschaftliches Denken auf dem Markt vorherrscht, <b>nimmt es dem Leben den Sinn<\/b>, da etwas, das einen Preis hat nichts Bleibendes an sich haben kann.\u00a0<\/i>(Anmerkung: Hier ist er sich einig mit Immanuel Kant siehe Gedankensplitter \u2192<a title=\"Alles was ersetzbar ist, hat einen Preis.\" href=\"http:\/\/dilettanti.eu\/?p=1394\"><em>Alles was ersetzbar ist, hat seinen Preis<\/em><\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8230;)<i> Doch ist die logische Absurdit\u00e4t noch nicht der gr\u00f6\u00dfte Fehler dabei: schlimmer und f\u00fcr die Zivilisation zerst\u00f6rerisch ist der Anspruch, dass alles einen Preis hat oder, anders gesagt, dass <strong>Geld der h\u00f6chste aller Werte<\/strong> ist.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuell wie am Tag seiner Erstver\u00f6ffentlichung vor mehr als 40 Jahren&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb: Bleibt menschlich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Iris<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt im gegenw\u00e4rtigen Wortschatz der Wirtschaftswissenschaft f\u00fcr den Ausdruck der Geringsch\u00e4tzung nur wenige Worte, die so endg\u00fcltig verdammen wie das Wort \u201eunwirtschaftlich\u201c. Das erkannte Ernst F. Schumacher \u2013 ein gro\u00dfer volkswirtschaftlicher Umdenker &#8211; bereits 1973 in seinem Buch \u201eSmall is beautiful\u201c und er f\u00e4hrt darin fort:\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3062"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3062"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3062\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6375,"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3062\/revisions\/6375"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3062"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3062"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dilettanti.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}